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Rabensburg, Bernhardsthal, Bullendorf (Projekt Nr.46)

Die hallstattzeitlichen Grabhügel der Kalenderbergkultur von Bernhardsthal, Rabensburg und Bullendorf, die im Bezirk Mistelbach (NÖ) liegen, wurden in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts von Matthäus Much geöffnet. In Bernhardsthal durchgrub Much zwei der drei Hügel und stieß neben zahlreichen hallstattzeitlichen Gefäßen auch auf eine frühgeschichtliche Bestattung (Abb.1) in einer aus hölzernen Bohlen gezimmerten Grabkammer, sowie auf sechs beigabenlose Bestattungen in Holzsärgen. Auch in Rabensburg untersuchte Much zwei der drei Hügel, die sich als Brandschüttungsgräber erwiesen und eine Fülle an Keramikobjekten der Stufe HaC enthielten. Der Tumulus von Bullendorf, der Leeberg genannt wird, wies ebenfalls eine Vielzahl an Gefäßen der Kalenderbergkultur auf.

In Rabensburg befand sich außerdem eine hallstattzeitliche Wohngrube, in der Spinnwirtel, ein Griffangelmesser, zwei Silizes und Fragmente von graphitierten, kannelierten und mit eingestempelten Kreisen verzierten Gefäßen (Abb.2) entdeckt wurden.

Mit der Sammlung Much gelangten die Objekte der insgesamt fünf Grabhügel in den Besitz der Sammlung des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie. Während des zweiten Weltkrieges wurden die Gefäße stark beschädigt und konnten danach nur teilweise zu Originalgefäßen rekonstruiert werden. Die Kriegsschäden einerseits und die ungenauen Aufzeichnungen Muchs andererseits machen eine eindeutige Zuordnung der Gefäße zu den einzelnen Hügeln schwierig bis unmöglich. Anlässlich der Fertigstellung der Restaurierungsarbeiten erschien 1977 eine Publikation von Helga Kerchler.

Im Fundmaterial befinden sich einige Prunkstücke der Sammlung, wie das Stierkopfgefäß, 38 graphitierte Kegelhalsgefäße oder rot-schwarz bemalte Schalen (Abb.3-6).

Kegelhalsgefäße, Kragenrandgefäße, Schalen, Fußschalen, Situlen und Deckel waren von April 2006 bis Juli 2008 auf der Wanderausstellung „Donau, Fürsten und Druiden. Kelten entlang der Donau“ im Museum für Urgeschichte in Asparn/Zaya, im Keltenmuseum Heuneburg und im Museum Quintana - Archäologie in Künzing zu sehen.

Die Tumuli von Bernhardsthal, Rabensburg und Bullendorf dienten als Grabstätten von sozial höher gestellten Personen. Die Gräber der lokalen Eliten heben sich gegenüber denen der breiten Grundbevölkerung durch übergroße Geschirrsätze und vulominöse Erdaufschüttungen hervor.

Literatur

E. Bayer-Niemeier/S. Hagmann/E. Lauermann (Hrsg.), Donau, Fürsten und Druiden. Kelten entlang der Donau. Asparn an der Zaya 2006, Herbertingen-Hundersingen 2007, Künzing 2007–2008. Katalog des niederösterreichischen Landesmuseums Neue Folge 464 (Haugsdorf 2006).

L. Franz, Die hallstättischen Hügelgräber von Bernhardsthal, Rabensburg und Bullendorf. Wiener Prähistorische Zeitschrift  9, 1922, 31–47.

L. Franz, Eine hallstättische Wohngrube bei Rabensburg. Wiener Prähistorische Zeitschrift 9, 1922, 69–70.

H. Kerchler, Die hallstattzeitlichen Grabhügel von Bernhardsthal, Rabensburg und Bullendorf, P. B. Mistelbach, NÖ. Eine Materialvorlage. Archaeologia Austriaca, Beiheft 15, 1977.

M. Much, Neu aufgefundene prähistorische Bau-Denkmäler in Niederösterreich. Mittheilungen der K. K. Central-Commission N. F. IV, 1878, LXXVIII–LXXX.

M. Much, Niederösterreich in der Urgeschichte. Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines zu Wien 19, 1880, 113–130.

E. Szameit, Zu den frühmittelalterlichen Funden aus dem Tumulus I von Bernhardsthal, Niederösterreich. Archaeologia Austriaca, Wien 1993.

Datierung

Gesamt

<> 

Bein

Glas

Keramik

Metall

nicht näher zuordenbar

organisches Material

Stein

Datierung nicht zuordenbar

1

 

1

 

 

 

 

 

 

Fehlbestand

45

 

 

 

43

1

1

 

 

keine Info erhalten

22

22

 

 

 

 

 

 

 

siehe Katalogtext

8

 

 

2

2

2

 

2

 

Ohne Datierung:prähistorisch

3

 

 

 

 

 

 

 

3

Hallstattzeit:HaC

137

 

 

 

135

1

 

 

1

Zerstörte Gefäße

Im Rahmen der Aufarbeitung dieses Fundmaterials für das Projekt "Digitale Erschließung der Studiensammlung" wurden alte Karteikarten (wieder-)entdeckt. Diese Karteikarten wurden ausgeschlossen, da die betreffenden Gefäße nach dem Bombenschaden nicht mehr aufgefunden bzw. rekonstruiert werden konnten. Sie sind für immer verlorengegangen, nur diese, unpublizierten Zeichnungen und kurze Beschreibungen sind erhalten geblieben. H. Kerchler bezieht sich 1977 gelegentlich auf diese Karteikarten. Die Inventarnummern wurden danach neu vergeben (4500, 4510, 4523, 4525, 4527, 4534, 4541, 4545, 4546, 4549, 4564, 4576, 4578) .

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Abb.1: frühgeschichtlicher Topf (10029, Foto G. Gattinger).

Abb.2: graphitverziertes Gefäßfragment (4689-c, Foto B. Schier).

Abb.3: Graphitiertes Kegelhalsgefäß mit Graphitmalerei (4973, Foto B. Schier).

Abb.4: Schale mit rot-schwarzer Bemalung (4963-a, Foto: B. Schier).

Abb.5: Deckel mit eingeritzten Linien und Dreiecken (4993, Foto B. Schier).

Abb.6: bemaltes Fußgefäß (4983, Foto B. Schier).
Kontakt:

Studiensammlung
des Instituts für
Urgeschichte und
Historische Archäologie,

3. Stock

Franz-Klein-Gasse 1
A-1190 Wien

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