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Willendorf (Projekt Nr.44)

Das in der Studiensammlung befindliche Material von Willendorf wurde von Matthäus Much geborgen. Vermutlich entnahm er die Objekte bereits in den 1880er Jahren. Sie stammen entweder aus Willendorf I oder II und können keiner Schicht zugeordnet werden. Näheres zu den Fundumständen ist vermutlich der Fundakte der Prähistorischen Kommission des Naturhistorischen Museums zu entnehmen.
Als Teil der Sammlung Much wurden die Funde 1912 vom Kulturministerium erworben und zur Verwahrung an das Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie 
übergeben.

Nach dem Ableben J. Bayers wurde 1932 dieses Material erstmals publiziert. R. Pittioni beschrieb die typologischen Merkmale der Silex-Steingeräte und H. Leitmeier bearbeitete das Rohmaterial, das seiner Meinung nach vorwiegend aus den Donauschottern stammt, wobei berücksichtigt werden muss, dass die Bestimmung der stark patinierten Stücke nicht möglich ist. Die Bestimmung der Tierknochen erfolgte durch O. Sickenberg. Im Rahmen der Gesamtdarstellung der Funde von Willendorf  durch F. Felgenhauer in den 1950er Jahren wurde der Bestand aus der Studiensammlung summarisch erfasst.

Das jungpaläolithische Fundmaterial umfasst etwa 2000 Steinartefakte und rund 200 Tierknochen. Der Großteil der Steingeräte wurde aus Klingen (Abb.1) hergestellt. Klingen- und Abschlagkerne (Abb.2) sowie Kernkantenklingen/-abschläge weisen auf eine Produktion vor Ort hin.

Die Bearbeitung im Rahmen dieses Projektes stellt die erste vollständige archäologische Aufnahme dieser Inventares dar. Artefakttypen wie Endretuschen, Kratzer (Abb.7), Bohrer (Abb.4), Gravettspitzen, Stichel (Abb.5) und Stichelabfälle (Abb.6) konnten festgestellt werden. Viele der vorliegenden Stücke weisen starke Patinierung (Abb.4) sowie Cortex-Reste auf.

Die Rohmaterialbestimmung von H. Leitmeier und F. Felgenhauer können zum heutigen Forschungsstand als nicht befriedigend beurteilt werden. Für einige wenige Stücke liegt dankenswerterweise die Bestimmung von A. Přichystal von 1992 vor, der regionale wie auch überregionale Rohstoffe für wahrscheinlich hält.

Nach der zoologischen Bestimmung von O. Sickenberg handelt es sich bei den etwa 200 erhaltenen Tierknochen vor allem um Mammut (Abb.8-10), Rentier, Hirsch, Pferd u.a. Seine unpublizierte Bestimmung lag zwar bei der aktuellen Fundaufnahme vor, jedoch konnte sie den einzelnen Objekten nicht einwandfrei zugeordnet werden.

Literatur:

A. Binsteiner, R. Eisner, W. Antl-Weiser 2008, Die Rohstoffanalyse der Silexartefakte von Willendorf II, Schicht 8 und 9, Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien 138, 2008.

F. Felgenhauer, Willendorf in der Wachau, Mitteilungen der Prähistorischen Kommission VIII-IX, 1956-1959.

H. Leitmeier, Mineralogische Untersuchungen an den Werkzeugen von Willendorf, Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft 62, 1932, 361-366.

Ph. Nigst, B. Viola, P. Haesaerts, G. Trnka, Willendorf II. In: Venus 08 - Art and Lifestyle, Symposium Vienna 10-14 November 2008, Wissenschaftliche Mitteilungen aus dem Niederösterreichischen Landesmuseum 19, 2008, 31-58.

Ph. Nigst, B. Viola, P. Haesaerts u.a. 2008, Neue Forschungen in Willendorf II: Ein Vorbericht über die Grabung 2005, Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien 138, 2008.

R. Pittioni, Funde aus Willendorf, Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft 62, 1932, 349-360.

Datierung

Gesamt

<> 

Bein

Keramik

Org. Material

Stein

Datierung nicht zuordenbar

1

 

 

1

 

 

Fehlbestand

128

 

26

 

 

102

keine Info erhalten

41

41

 

 

 

 

Paläolithikum:Jungpaläolithikum:nicht näher zuordenbar

2069

 

301

 

9

1759

Abb.1: Klinge (13613, Foto G. Gattinger)

Abb.2: Klingenkern (13985, Foto G. Gattinger)

Abb.3: Spitze (13582, Foto G. Gattinger)

Abb.4: Bohrer patiniert (13409, Foto B. Schier)

Abb.5: Stichelkratzer (13593, Foto G. Gattinger)

Abb.6: Stichelabfall (13367, Foto G. Gattinger)

Abb.7: Kratzer (13591, Foto G. Gattinger)

Abb.8: Mammutstoßzahn bearbeitet (14196, Foto G. Gattinger)

Abb.9: Knochenspitze (14205, Foto G. Gattinger)

Abb.10: Mammutzahn (13929, Foto G. Gattinger)
Kontakt:

Studiensammlung
des Instituts für
Urgeschichte und
Historische Archäologie,

3. Stock

Franz-Klein-Gasse 1
A-1190 Wien

E-Mail
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