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Pfahlbau Sammlung Much (Projekt Nr.79)

In der Sammlung Much befinden sich neben den Artefakten der von M. Much entdeckten Pfahlbaustation „See“ am Mondsee eine Reihe von Objekten anderer Pfahlbaustationen. Bevor Much die Funde der Station See barg, informierte er sich vermutlich durch die bereits bekannten Fundstellen der Schweiz, Deutschlands und Österreichs und erwarb einiges für seine Sammlung.

Ort

Keramik

Metall

Bein

nicht zuordenbar

org. Material

Stein

Schweiz

1

 

7

1

1

25

Robenhausen

11

 

9

 

12

6

Schussenried

 

 

9

 

 

7

Peschiera

 

24

 

 

 

 

Laibacher Moor

98

 

36

 

2

4

Attersee-Aufham

47

 

3

 

3

20

St. Lorenz - Scharfling

16

1

1

 

 

35

 

Schweiz

Funde aus der Schweiz  (Abb.1), wo 1854 die ersten Pfahlbaureste in Meilen als archäologische Hinterlassenschaft erkannt wurden, erwarb  Much vermutlich schon vor seinen eigenen erfolgreichen Schürfungen im Salzkammergut.

Robenhausen, von Jakob Messikommer entdeckt und freigelegt, war eine von vielen Interessierten besuchte Fundstelle. Er verkaufte seine Fundstücke teilweise in die ganze Welt um so seine Forschungen zu finanzieren (Abb.2).

Entdeckung Meilen 1853/54

F. Keller, Die keltischen Pfahlbauten in den Schweizer See. Erster Berichtt, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 9, 3, 1857.

Robbenhausen

H. Messikommer, Die Pfahlbauten von Robenhausen, 1913.

Schussenried

Die Funde der Sammlung Much aus Schussenried umfassen paläolithische Hinterlassenschaften - Silexartefakte (Abb.3) und Tierknochen -  möglicherweise der Schussenquelle, die bereits 1866 bekannt war. Spätneolithische Schussenrieder Keramik, die reiche Verzierungen wie die der Keramik vom Mondsee aufweist ist nicht beinhaltet. 

H. Reinerth, Das Federseemoor als Siedlungsland des Vorzeitmenschen, Führer zur Urgeschichte 9, 4. Auflage, 1929, 42, 71.

Peschiera

Die ersten Entdeckungen einer Pfahlbausiedlung auf damaligem österreichischem Hoheitsgebiet waren 1864 im Gardasee bei Peschiera. Eduard v. Sacken hob im Auftrag der phil. – hist. Klasse der Akademie der Wissenschaften im Hafenbecken Bronzeartefakte (Abb.4 und 5) und konnte aufgrund von Pfählen und Kulturschichten eine Pfahlbausiedlung feststellen. Wie und wann Fundstücke dieser Fundstelle von M. Much erworben wurden, ist nicht festgehalten.

F. Keller, Pfahlbauten, 5. Bericht, Peschiera, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 14, 6, 1863, 12–15.

E. Sacken, Der Pfahlbau im Garda-See, Sitzungsbericht der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 47–48, 1864, 301–335.

Laibacher Moor

Auch das Laibacher Moor zählte in den Anfängen der Pfahlbauforschung zu Österreich. Von den vor allem endneolithischen Funden berichtete Karl Deschmann und Matthäus Much, durch regional durchgeführte Untersuchungen an die 1870 gegründete Anthropologische Gesellschaft und an die Akademie der Wissenschaften (1875-1879). Vermutlich stammen die Funde (Abb.6 und 7) aus dem Laibacher Moor aus dieser Arbeitsgemeinschaft. Leider ist der Großteil der aussagekräftigen Kreuzfußschüsseln nicht mehr erhalten.

K. Deschmann, Über die vorjährigen Funde im Laibacher Pfahlbau, Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien 8, 1879, 65–82.

Österreich

Im heutigen, österreichischen Bundesgebiet konnten nur im Salzkammergut und am Keutschacher See Spuren von Pfahlbausiedlungen gefunden werden. M. Much entdeckte 1872 die Pfahlbaustation „See“, aus der er in den folgenden Jahren tausende Fundstücke barg. In seiner Sammlung sind aus den Stationen St. Lorenz-Scharfling (Abb.8) am Mondsee und Attersee-Aufham (Abb. 9 und 10) Funde vorhanden. Beide Fundstellen sind der Mondsee-Gruppe zuzuordnen. Vom Pfahlbaufeld im Keutschacher See sind keine Artefakte in der Sammlung zu finden. Offenbar war der Charakter der Fundstelle nicht eindeutig geklärt.

M. Much, Erster Bericht über die Auffindung eines Pfahlbaues im Mondsee, Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 2, 1872.

M. Much, Zweiter Bericht über Pfahlbauforschungen in den Oberösterreichischen Seen, Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 4, 1874.

G. Wurmbrand, Ergebnisse der Pfahlbauuntersuchung I, Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft 1, 1871.

K. Willvonseder, Die jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbauten des Attersees in Oberösterreich, Mitteilungen der Prähistorischen Kommission XI-XII, 1963/68.

V. Reiter, Aktueller Forschungsstand der Mondsee-Funde in der Studiensammlung des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien, Archäologie Österreichs 19/2, 2008, 33–38.

Aktuell

M. Flüeler-Grauwiler (Red.), Pfahlbaufieber, Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 71, 2004.

P. J. Suter, H. Schlichtherle, Pfahlbauten - Palafittes - Palafitte - Pile dwellings - Kolišča, UNESCO Welterbe-Kanditatur "Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen", 2009.

Der See erzählt. Unterwasserarchäologie und Seenforschung. Eine Wanderausstellung im Rahmen von Interreg IV.

Datierung

Gesamt

Bein

Keramik

Metall

nicht zuordenbar

org. Material

Stein

Fehlbestand

260

45

128

24

1

14

48

Ohne Datierung

13

8

 

 

 

2

3

Ohne Datierung:prähistorisch

9

1

3

 

 

 

5

Ohne Datierung: Steinzeit

4

 

 

 

 

 

4

Paläolithikum:Mittelpaläolithikum

1

 

 

 

 

 

1

Neolithikum:Spätneolithikum

78

11

30

 

 

2

35

Neolithikum:Endneolithikum

13

 

12

 

 

 

1

Bronzezeit:Mittelbronzezeit:BzC

1

 

 

1

 

 

 

Abb.1: Beil in Zapfenfassung (8817, Foto: B. Schier).

Abb.2: Fischernetzfragment (8879).

Abb.3: Spitze (15149).

Abb.4: Griffplattendolch (9274, Foto: B. Schier).

Abb.5: Spiralnadel (9299, Grafik: Karteikarte).

Abb.6: Tasse (8885, Foto: B. Schier).

Abb.7: Kreuzfußschüssel (8899, Grafik: Karteikarte).

Abb.8: Fragment eines Kupfergußgerätes (8688).

Abb.9: Sichel aus Plattenhornstein (8790).

Abb.10: Mondseekeramik (8755).
Kontakt:

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des Instituts für
Urgeschichte und
Historische Archäologie,

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