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Das Projekt 108 umfasst jene 930 Objekte aus Deutschland. Größtenteils handelt es sich hier um Steingeräte, doch auch Keramik, Metall und sogar organisches Material (z.B. Getreidekörner) finden sich darunter.

Kriegsschäden der Studiensammlung

Die aus Klein Saubernitz (nord-östlich von Bautzen, Sachsen) stammenden Funde wurden 1938 von Dr. Otto Santo-Passo der Sammlung überlassen. Gefunden wurden sie am 1.September 1888 vom Vater Santo-Passos "in ungefähr 0,50 m Tiefe an der Steilböschung des Kiesaushubes".[1] Es handelte sich um ein Brandgrab mit 14 Beigefäßen der Billendorfer Kultur.

1939 waren die Gefäße noch vollständig erhalten. Als Beweis dienen die Fotos, die in Sachsens Vorzeit 3.1939 publiziert wurden. Heute fehlen diese Objekte nahezu komplett. Nur von einigen Gefäßen sind noch Fragmente erhalten. Karteikartenfotos aus den 1960er/70er Jahren zeigen bereits den zerstörten Zustand.

Ende Februar 1945 wurde der damalige Standort der Sammlung (IX., Wasagasse 4) von Bomben zerstört.[2, 3] Durch Prof. Hančar konnte der Bestand weitgehend gerettet werden. [3]

Die Fotografien (siehe Abb. 2a und 2b) legen nahe, dass die Funde aus Klein Saubernitz bei besagtem Bombenangriff stark beschädigt bzw. zerstört worden sind.

Gerhard Bersu und die Funde vom Goldberg

Anders liegt der Fall bei den Funden vom Goldberg; hier ist kein einziges Objekt mehr vorhanden. Es fehlen jegliche Notizen oder Fotografien, um die Ursache dieses Fehlbestandes zu klären. Sie wurden ausschließlich anhand der Inventarbucheinträge (Abb. 3) aufgenommen.

Das Eingangsdatum ist im Inventarbuch mit 1928 vermerkt. Vielleicht fanden die Funde ihren Weg in die Sammlung, da im Sommer 1925 in Linz eine Versammlung deutscher und österreichischer Vor- und Frühgeschichtsforscher stattfand. Bei dieser war Bersu zu Gast und sprach am 8. August über den "Stand der Ausgrabungen am Goldberg in Württemberg".[4]

Bereits während des ersten Weltkriegs war Bersu mit der Dokumentation von Bodendenkmälern betraut gewesen. 1931 bis 1935 war er Direktor der Römisch Germanischen Kommission (RGK) in Mainz. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde er zuerst auf andere Posten versetzt, dann zwangspensioniert und leistete schließlich in England und Irland wesentliche Beiträge zur Hausforschung.[5] Erst nach Kriegsende wurde er wieder zum Direktor der RGK in Mainz ernannt.[6]

Mesolithische Silices aus Bayern

Mit 604 Steingeräten macht dieser Nummernkreis den Großteil des Projekts Deutschland aus.

1935 wurden diese Silizes als Vergleichsfunde von Paulsen für seinen Artikel über das "Grobgerätige Mesolithikum im Jura Gebiet" angeführt. [7]

Die groben Silizes könnten zwar auf den ersten Blick ins Mittelpaläolithikum datieren, in Kombination mit den, wenn auch spärlich vorhandenen, mikrolithischen Formen ist diese Datierung jedoch nicht mehr haltbar. Vor allem da grobe Formen wie zum Beispiel Schaber und Stichel sehr wohl auch in jüngerer Zeitstellung auftreten.[8] Paulsen datiert seine Funde aufgrund von Holzartenuntersuchungen an Holzkohleresten als nacheiszeitlich und somit als mesolithisch.

Die Funde stammen alle aus Orten etwas nördlich von Arnhofen, bekannt für seinen neolithischen Hornsteinbergbau.[9] Eine Übersicht über die Fundorte ist mit dieser Karte bei Google Maps möglich.

Literatur

[1] O. Seewald und Ä. Kloiber, Grabfunde der Billendorfer Kultur in Wiener Sammlungen. Sachsens Vorzeit 3, 1939, 60-68.

[2] Wien.at: Wien im Rückblick - Kalendarium "Wien 1945". [03.05.2012]

[3] F. Felgenhauer, Zur Geschichte des Faches "Urgeschichte" an der Universität Wien.  Studien zur Geschichte der Universität Wien 3, 1965, 7-27.

[4] O. Menghin, Bericht über die Versammlung deutscher und österreichischer Vor- und Frühgeschichtsforscher in Linz, Oberösterreich. Wiener Prähistorische Zeitschrift. 13. 1926. 118-123.

[5] F. Ficker, Gerhard Bersu und die vorgeschichtliche Hausforschung. Zum 40. Todestag des Wissenschaftlers. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät. 76. 2005. 163–181.

[6] Wikipedia, Gerhard Bersu. [03.05.2012]

[7] R. Paulsen, Grobgerätiges Mesolithikum in Süddeutschland. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft 65, 1935, 311-335.

[8] Th. Lehmann, Mesolithikum. Göttinger Typentafeln zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, 1991.

[9] Wikipedia, Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen. [03.05.2012]

Datierung

Gesamt

Bein

Keramik

Metall

organisches Material

Stein

Fehlbestand

87

17

41

6

 

23

Ohne Datierung

12

 

 

7

 

5

Ohne Datierung:prähistorisch

12

 

8

 

 

4

Ohne Datierung:nach-prähistorisch

32

 

32

 

 

 

Ohne Datierung:nicht näher zuordenbar

65

 

59

3

 

3

Ohne Datierung:Steinzeit

87

 

 

 

 

87

Mesolithikum

605

 

 

 

 

605

Neolithikum

6

 

 

 

 

6

Neolithikum:Frühneolithikum

2

 

2

 

 

 

Neolithikum:Mittelneolithikum

3

 

 

 

 

3

Neolithikum:Spätneolithikum

2

 

 

 

2

 

Bronzezeit

1

 

1

 

 

 

Bronzezeit:Frühbronzezeit

5

 

5

 

 

 

Urnenfelderzeit

8

 

8

 

 

 

Urnenfelderzeit:ältere/jüngere Urnenfelderzeit=HaA2/B1

1

 

1

 

 

 

Hoch-/Spätmittelalter:12. Jh.

2

 

2

 

 

 


Fossiler Seeigel
Abb.1: Fossiler Seeigel aus Bremerhaven (Inv.Nr.: 34025, Foto: G. Gattinger).

Karteikarte zu 23967
Abb.2a: Topf der Billendrofer Kultur, Klein Saubernitz. (Inv.Nr.: 23967, Karteikarte, Archiv der Sammlung).

Abb.2b: Fragment eines Topfes der Billendrofer Kultur, Klein Saubernitz. (Inv.Nr.: 23967, Foto: G. Gattinger).

Abb.3.: Inventarbuch (Inv.Nr.: 25583-25586, Archiv der Sammlung).

Abb.4: Übersichtskarte der Fundorte in Bayern.
Kontakt:

Studiensammlung
des Instituts für
Urgeschichte und
Historische Archäologie,

3. Stock

Franz-Klein-Gasse 1
A-1190 Wien

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