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Bisamberg (Projekt Nr.8 - 9)

Der 358 m hohe Bisamberg befindet sich in Niederösterreich an der Nordgrenze von Wien; nach Süden fällt er steil zur Donau hin ab und bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Leopoldsberg den Durchbruch der Donau zur Wiener Pforte. Seit dem Spätmesolithikum bis hin zur Neuzeit sind auf dem Bisamberg Spuren menschlicher Besiedlung feststellbar, da seine dominierende Lage gute Fernsicht und damit Sicherheit bot und da seine Lößhänge für trockene Wohnstätten und fruchtbare Ackerböden sorgten.
Ladislaus L. Kmoch, Heimatforscher und Karikaturist, der dem Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie seine über die Jahre, durch Oberflächenbegehungen aufgefundenen Fundstücke am 02.02.1966 als Geschenk überließ - wobei hierbei im speziellen die lithischen Funde (Abb.1), die auch die Masse ausmachen, hervorzuheben sind - widmete der Mesolithstation der Flur "Auf der Heide" (Abb.2) ein besonderes Augenmerk, da in Niederösterreich wenige mesolithische Fundplätze (Bisamberg, Horn-Galgenberg, Kamegg, Limberg, Burgschleinitz, Ebendorf an der Zaya) bekannt waren.
Auch im Neolithikum wurde der Bisamberg aufgesucht. Dies zeigen unter anderem die einzigartige Bestattung eines Mannes in einer Grube als auch die Auffindung des Schädels einer juvenilen Frau der Lengyelkultur. Ein Teil von den bei dem Schädel aufgefundenen keramischen Begleitfunden und noch weitere Reste der lengyel-zeitlichen Besiedlungen (Abb.3) sind im Inventar der Sammlung zu bewundern; ebenso wie einige wenige, zum Teil verzierte Stücke des Typus Retz (Abb.4) und ein Rand-Wandfragment der Glockenbecher Kultur (Abb.5).
Auf der Flur "Elisabethhöhe", wo sich auch einst eine Wallanlage befand, förderte M. Much durch von ihm durchgeführte Nachgrabungen im Bereich der Anlage Fundmaterial des Neolithikums, der Hallstattkultur, aber hauptsächlich der mittleren Bronzezeit (Abb.6) zutage. Dadurch konnte eine bronzezeitliche Höhensiedlung nachgewiesen werden. M. Kaus ließ in ihrer Lehrveranstaltung "Theoretische Grundlagen der Urgeschichtsforschung II" die Studenten die erwähnten, von Much geborgenen Hinterlassenschaften bearbeiten, woraus eine Publikation 1986 entstand.
Es werden außerdem Funde der Latènezeit und weiters des Hochmittelalters vom Bisamberg in der Sammlung aufbewahrt.

Literatur:

M. Much, Ein befestigtes Lager der Steinzeit auf dem Bisamberge bei Wien, MAG IV, 1874, 69 - 86.

J. Jungwirth, Ein neolithischer Schädel aus Bisamberg bei Wien. MAG 86, 1956 71-74.

L. Kmoch, Eine Mesolith-Station auf dem Bisamberg bei Wien, Rund um den Bisamberg - Ein Heimatbuch 3, 1966.

O. H. Urban, Ein lengyelzeitliches Grab aus Bisamberg, NÖ. Arch. Korrespondenzblatt 9, 1979, 373-383.

M. Kaus, Altmaterial aus einer mittelbronzezeitlichen Höhensiedlung am Bisamberg bei Wien, MUAG 36, 1986, 33 ff.

Bisamberg Silices (Projekt Nr.8)

Datierung

Gesamtsumme

Stein

Fehlbestand

84

84

Ohne Datierung

4

4

Ohne Datierung:prähistorisch

2

2

Spätpaläolithikum

1

1

Mesolithikum

1338

1338

Neolithikum

4

4

Neolithikum:Mittelneolithikum

2

2

Bisamberg Keramik (Projekt Nr.9)

Datierung

Gesamt

<> 

Bein

Keramik

Stein

Verputz

Fehlbestand

34

 

 

34

 

 

keine Info erhalten

92

92

 

 

 

 

Ohne Datierung

26

 

24

2

 

 

Ohne Datierung:prähistorisch

10

 

 

3

7

 

Mesolithikum

2

 

2

 

 

 

Neolithikum

46

 

 

46

 

 

Neolithikum:Mittelneolithikum

71

 

 

71

 

 

Neolithikum:Spätneolithikum

18

 

 

18

 

 

Neolithikum:Jungneolithikum

4

 

 

4

 

 

Neolithikum:Jungneolithikum:jünger

1

 

 

1

 

 

Neolithikum:Endneolithikum:jünger

1

 

 

1

 

 

Bronzezeit:Mittelbronzezeit:nicht näher zuordenbar

137

 

 

133

 

4

Hallstattzeit

7

 

 

7

 

 

Latènezeit

3

 

 

3

 

 

Hoch-/Spätmittelalter:13. Jh.

3

 

 

3

 

 

Hoch-/Spätmittelalter:15. Jh.

17

 

 

17

 

 

Abb.1: Mesolithischer Lamellenkern (11875/1, Foto B. Schier)

Abb.2: Flur "Auf der Heide"

Abb.3: bemaltes Wandfragment mit Knubbe der Lengyel-Kultur (33410/4).

Abb.4: Wandfragment des Typus Retz (Furchenstichkeramik, 32397/3).

Abb.5: Rand-Wandfragment eines Glockenbechers mit Stempelverzierung (33485, Foto B. Schier).

Abb.6: Mittelbronzezeitliches Wandfragment mit feiner, schräger Kornstichreihe und paralleler Rille am Schulterabschluß (8389, Foto B. Schier).

Abb.7: Die Fundsituation "Zum Aussichtsbankerl" von L. Kmoch, 1931.
Kontakt:

Studiensammlung
des Instituts für
Urgeschichte und
Historische Archäologie,

3. Stock

Franz-Klein-Gasse 1
A-1190 Wien

E-Mail
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